Änne Kuntze-Süchting
2003 begleitete ich meinen Bruder Peter Busmann das erste Mal nach Campoy und sah mit Staunen die vielen gepflegten Einrichtungen des Bildungs- und Sozialwerkes. Ich war sehr beeindruckt, dass in gut zwanzig Jahren nur durch die Unterstützung von einigen engagierten Menschen heute 3000 Kinder und Jugendliche dort ausgebildet werden.
 Das machte mir Mut, auch für das Projekt tätig zu werden. Ich bemühe mich seitdem vor allem um Studentenstipendien, weil ich es sehr sinnvoll finde, dass begabte Schulabgänger in Campoy im Institut zu Lehrern ausgebildet werden können. Inzwischen habe ich ca. 20 Stipendien vermitteln können – aber es werden noch viel mehr benötigt. I
Campoy spielt eine wichtige Rolle in meinem Leben. Ich habe mein Spanisch intensiviert und bin in den beiden folgenden Jahren für je zwei Monate dort gewesen. Ich wollte von den Menschen vor Ort mehr kennen lernen, mit Bildern und Vorträgen von ihnen berichten können, um für das Werk auch finanziell zu werben. Dazu ergab es sich, dass ich meine dreißig-jährige Berufserfahrung in dem Behindertenzentrum Huachipa einbringen konnte. Dort war ich fast täglich mehrere Stunden. Ich habe sehr viel Respekt gewonnen von der Arbeit der Mitarbeiter, ihrem Fachwissen in vergleichsweise sehr schwierigen Bedingungen. Es machte mir viel Freude, mit geschenktem Spielmaterial die Arbeit dort ein bisschen zu erleichtern. Vor allem hat ein großes Spielgerät für die Außenanlagen des Geländes bei den Kindern große Begeisterung ausgelöst.   
Ich hatte zu Beginn an etwas Sorge, dass ich mich finanziell überlastet sehen würde, gerade bei soviel Not im Behinderten-Bereich. Dass war aber nicht der Fall; vielmehr suchten Mitarbeiter und Eltern das Gespräch mit mir. Ich spürte, wie es den Eltern gut tat, zu hören, dass sich ihr Kind auch in Deutschland nicht besser fühlen würde, wie wesentlich ihre Zuwendung und Liebe sei und welch ein unschätzbarer Vorteil es sei, dass ihre Kinder oft im großen Familienkreis eingebettet seien. Auch kann die beste Therapie keine Behinderung aufheben, weder in Deutschland noch in Huachipa.
Für die Eltern der behinderten Kinder dagegen bedeutete es kaum eine zeitliche Entlastung wenn ihr Kind in die Einrichtung geht. Sie müssen ihre Kinder selbst bringen und abholen, oftmals verbunden mit sehr langen Fußwegen oder kostspieligen Busfahrten. Hinzu kommen andere Schwierigkeiten, die wir so nicht kennen. Zum Beispiel muss Jackies Mutter jeden Tag ihr Kind begleiten, weil sie kein Geld für den Rollstuhl hat und außer ihr keiner das Kind tragen würde. Daneben muss sie dann auch ihren kleinen Sohn mitbringen. Jetzt bemühe ich mich natürlich hier um einen gebrauchten Rollstuhl und darüber hinaus um ein Hörgerät für Kaven, der damit eine Regelschule besuchen könnte.
Ich habe sehr viele Einblicke gewonnen und freue mich vor allem, dass ich in der Solidaridad-Familie Freunde gefunden habe, die mich in ihre Familien mit einbeziehen. Ich erlebte uneingeschränkte Gastfreundschaft, und viel Wärme wurde mir zuteil. Das Zusammenhalten der Groß-Familien, das uneingeschränkte Füreinander-Dasein in der Not sind gewiss eine große Kraftquelle in den harten Lebensbedingungen der Menschen dort.
Dr. Franz Ecker als Vorsitzender der Solidaridad hat ständig finanzielle Notsituationen zu meistern, abzuwägen, und immer muss er auch die Zukunft der Einrichtungen im Blick haben. Eine große Aufgabe. Ich habe erlebt, wie bedrohlich die Situation wird, wenn das Spendenkonto leer ist. Bewundernswert ist es aber auch, immer wieder zu erleben, mit welchem Gottvertrauen und Optimismus immer aufs Neue weitergearbeitet wird.