Andere über Campoy

Kurzer Erfahrungsbericht zu meinem Aufenthalt in Campoy

Ich bin Caroline Bacciu und habe vom 13. November 2006 bis zum 10. Mai 2007 einen Freiwilligendienst in Campoy, Lima, Peru in den Projekten der „Asociación Solidaridad Perú Alemania“ absolviert.

Im Zentrum von Campoy liegt das Institut von „Solidaridad Campoy“. Es ist eine pädagogische (Fach)Hochschule und bildet sowohl Lehrerinnen und Lehrer, als auch Technikerinnen und Techniker aus. Die Studenten bleiben bis zu 5 Jahren im Institut und können mit ihrem Fachabschluss in Schulen oder in Betrieben arbeiten. So haben auch die ärmeren Bewohner hier die Chance, mit einem Abschluss eine Arbeitstelle zu finden.

Diese Einrichtung liegt wie eine Insel inmitten des riesigen Viertels Campoy voller Lehmhäusern und Blechhütten. Die Straßen sind staubig und bestehen zum größten Teil nur aus Sand und trockener Erde. Die Leute leben augenscheinlich alle sehr provisorisch. Trotz dieser unglaublichen Armut hat Campoy eine menschliche Atmosphäre, die mich sehr berührt hat.
Die Micros, die klapprigen bunt angemalten Kleinbusse, rattern wie Farbkleckse durch die sandige Gerölllandschaft.

Hier ein Tagebucheintrag:

„Gestern war mein erster Tag in Peru und ich habe schon soviel gesehen, dass ich mich fühle, als wäre ich schon zwei Wochen hier. Das Wort "eintauchen" passt hier in diesem Zusammenhang sehr gut. Ich bin eingetaucht und in einer völlig anderen Welt gelandet, die man nur schrittweise erfassen kann, und das auch nur durch höchste Aufmerksamkeit und Sensibilität.
Die Organisation besteht momentan aus 11 Institutionen (Kindergarten, Grundschule, technische Hochschulen, Behindertenheim, etc.), die fast alle im selbem Stadtteil liegen. Jede einzelne Einrichtung wirkt wie ein bunter Zufluchtsort für die Anwohner, die mittlerweile jedes neue Projekt mit vereinten Kräften unterstützen und mit aufzubauen helfen.
 

Durch permanentes, aufmerksames Beobachten habe ich relativ schnell die elementarsten Höflichkeitsformeln und Verhaltensweisen kennen gelernt und bin durch diese Kenntnis im Umgang mit den Leuten hier sicherer geworden. Mittlerweile kenne ich die meisten Lehrer des Instituts in Campoy, der Treffpunkt, wo alle gemeinsam zu Mittag essen. Meine kleinen Kinderchen der ersten Klasse kenne ich auch fast alle schon beim Namen und sie wissen auch, dass ich nun jetzt jeden Tag komme.
Deutlich merke ich, dass ich mich noch nicht daran gewöhnt habe, dass hier reich und arm häufig nur einem Meter von einander weg liegen und nur durch einen Zaun oder eine Mauer getrennt sind. Lima ist eine sehr verpestete Stadt und der jetzige Bürgermeister hat schon vieles zu einer Verbesserung beigetragen (Parks, Grünanlagen im Zentrum, Ausweichstrassen, etc.). Nur dass neben so einer wunderschön gepflegten, teilweise viel zu bewässerten Grünanlage, hinter einer kleinen Mauer die Armenviertel anfangen, die weder Wasser noch Stromzufuhr haben geschweige denn Abwässer.
Vielleicht ist dies auch eine Sache hier, an die man sich gar nicht gewöhnen kann.

Ich wohne in der Familie eines Lehrers des Instituts in Campoy und einer Lehrerin der technischen Sekundarschule. Ich bin sehr glücklich, dass ich nun umgezogen bin und "vor Ort" wohne. Das Ehepaar hat vier Kinder, 9, 21, 24 und 25 Jahre alt und ich verstehe mich sehr gut mit allen. Seit ich hier wohne, arbeite ich im Kindergarten "Mamá Elsa" und bin vom ersten Schuljahr der Grundschule (Primaria) nun zu den 4-jährigen gewechselt.

Die kleinen Kinder sind sehr niedlich. Während der letzten Wochen haben wir gebastelt und zusammen gemalt und kleine Schneemännchen aus Moosgummi gemacht.

Die Weihnachtsvorbereitungen laufen ähnlich wie bei uns, nur etwas chaotischer, was eigentlich bei vielen Dingen hier der Fall ist.

Gestern war "promoción" im Kindergarten, d. h. die Kinder von 5 und 6 Jahren werden verabschiedet und kommen in die Grundschule (die Primaria, in der ich anfangs geholfen habe). Diese "promoción" ähnelt ein bisschen unseren Abiturfeiern: Die kleinen Kinder kommen im rosa Rüschenkleid und Anzug mit Krawatte, tragen Krönchen und alles ist dekoriert in rosa und weiß. Es gibt eine Riesensahnetorte voller bunter Farbe und kleinen Figuren oben drauf, die, wie in den USA, schwarze Abschlussmützen tragen. Es gibt eine Show mit Animateurin und Band, und die Kinder tanzen in Paaren und albern viel herum.

Mir ist in der letzten Woche einiges aufgefallen, als wir (die Psychologin und ich) die Kinder gefragt haben, ob sie von ihren Eltern geschlagen würden. Von knapp 30 Kindern, im Alter zwischen 5 und 6 Jahren, werden ungefähr die Hälfte zuhause geschlagen. 5 Kinder erzählten, dass sie gesehen hätten, wie der Vater die Mutter schlug. Die Kinder sind ja sehr ehrlich und erzählen alles ganz ohne Scham und haben oft auch das Bedürfnis, Dinge von Zuhause mitzuteilen. Ich habe auch noch nie vorher erlebt, dass Kinder so oft die Lehrerinnen umarmen und anfassen wollen. Ein großes Zärtlichkeitsmanko beherrscht hier die Kindheit. Hier gibt es so viele Kinder, dass die Einzelnen manchmal nur sehr wenig Aufmerksamkeit bekommen. Sie sind ein weiteres, zu bändigendes Anhängsel der Mutter. Das bedrückte mich sehr und verleitete mich dazu, die Kinder oft in die Arme zu schließen.

Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Lebenserfahrung hier habe machen können und bin sicher, dass dies einer der wichtigsten Abschnitte meines Lebens bleiben wird. Ich habe viel im Umgang mit Kinder beobachten und lernen können und auch über die kulturellen Unterschiede und aber auch über die Gemeinsamkeiten; die Dinge und Verhaltensweisen, die uns alle verbinden.

Mir ist klar geworden, dass man überall auf der Welt eine neue Familie bekommen kann und man überall neue Geschwister kennen lernen kann.

 

Caroline Bacciu

Köln, den 23. August 2007

 

Aniversario Villa el Salvador

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Centro para madres adolescentes

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Einweihungsfeier Paraíso

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Jardín Mamá Elsa Maryurí

Jardín Mamá Elsa

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Primaria 1

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Vizcachera Inicial

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